top of page

Recap E-Academy 2: Audience to Action – von der Marktforschung zur Maßnahme

  • 27. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Wie können Kinos auf veränderte Publikumsbedürfnisse reagieren – nicht abstrakt, sondern mit konkreten Schritten für Praxis, Programm und Kommunikation? Genau darum ging es in der KinoConnect E-Academy „Audience to Action“ am 22. Juli 2026. Unter dem Titel „Von der aktuellen Marktforschung zur Marketingpraxis“ brachte die Veranstaltung Marktforschung, Brancheneinordnung und gemeinsame Maßnahmenentwicklung zusammen.


Ausgangspunkt war die Frage, welche Bedürfnisse Menschen heute mit Kino verbinden – und wie daraus handlungsfähige Ideen für den Kinobesuch der Zukunft entstehen können. Die Breakout-Sessions waren dabei klar auf Umsetzung ausgerichtet: In sechs thematischen Gruppen wurden entlang der Logik Aktivieren, Weiterentwickeln und Transformieren konkrete Maßnahmen gesammelt und geordnet.



Die Impulse: Was war die Ausgangslage?

Als Referent*innen und Impulsgeber*innen waren Susanne Aleixo (Referentin Marktforschung und Statistik / Open Data Koordinatorin, FFA Filmförderungsanstalt), Nathalie Kaiser (Manager Statistics and Research, Rentrak) und Franziska Strebl (Data Analyst, Rentrak) dabei. Zum Einstieg beleuchtete der Impulsvortrag von den Kolleg*innen von Rentrak, Seltengänger*innen. Exit Polls, die die Datengrundlage bieteten, machten deutlich, dass diese Zielgruppe anders angesprochen werden muss als klassische Häufiggänger*innen: Besonders relevant sind bekannte Inhalte, Eventcharakter und emotional positiv aufgeladene Kinoerlebnisse. Gleichzeitig zeigte der Vortrag, dass erfolgreiche Besuche die Chance erhöhen, Menschen wieder häufiger ins Kino zu bringen – und dass dafür die Wahl der richtigen Kommunikationsanlässe und Informationsquellen entscheidend ist.



Die Keynote über die Studie der FFA setzte im Anschluss einen klaren Rahmen für die weitere Arbeit: Die Kino-Reichweite ist von 47 % im Jahr 2013 auf 31 % im Jahr 2025 zurückgegangen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung ein wichtiges Potenzial: 54 % der Nicht-Besucher*innen sind grundsätzlich bereit, ins Kino zu gehen.


Die Kernthese der FFA_Studie "Warum das Publikum dem Kino fernbleibt - eine qualitative Untersuchung zu Hintergründen und Potenzialen": Kino steht nicht nur unter Filmdruck, sondern unter Aufmerksamkeits-, Komfort- und Relevanzdruck. Gesellschaftliche Entwicklungen wie digitale Dominanz, Rückzug ins Private, Kontrollbedürfnis, Fragmentierung und Eventisierung verändern, wie Menschen Freizeit planen, wie sie Entscheidungen treffen – und was sie heute von einem Kinobesuch erwarten.


Daraus leitet die FFA sechs zentrale Bedürfnisfelder ab, die Kino heute adressieren kann: Gemeinschaftserlebnis, Unbeschwertheit, Sicherheit und Entlastung, Immersion und Komfort, FOMO/Status sowie intellektuelle Selbstwirksamkeit. Genau diese sechs Felder bildeten die Arbeitsgrundlage des Workshops.


Was ist im Workshop passiert?

In den Breakout-Sessions wurde nicht bei der Analyse stehen geblieben. Jede Gruppe arbeitete an der Frage, welche konkreten Maßnahmen Kinos aus den sechs identifizierten Kernbedürfnissen ableiten können. Dabei ging es bewusst nicht nur um große Zukunftsbilder, sondern auch um kleine, wirksame Hebel: Was lässt sich kurzfristig aktivieren? Welche Formate können mittelfristig weiterentwickelt werden? Und an welchen Stellen braucht es langfristige Transformation?

Das Ergebnis waren sechs Whiteboards mit einer großen Bandbreite an Maßnahmen – von niedrigschwelligen Ritualen bis zu strukturellen Veränderungen im Kinoerlebnis.



Einstieg in die Ergebnisse: der Überblick über die erarbeiteten Maßnahmen


1. Gemeinschaftserlebnis: Soziale Währung und Interaktion


In diesem Feld wurde Kino als sozialer Ort gedacht. Die Gruppen sammelten Maßnahmen, die Austausch, Teilhabe und Sichtbarkeit fördern – darunter Filmexpert*innen-Besuche, Sneak-Formate, besondere Snacks passend zum Film, persönliche Ansprache durch Personal, eine gezieltere Programmierung und die stärkere Positionierung des Kinos als dritter Ort.

Potenzial: Vernetzung

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Filmexpert*innen-Besuche

Gäste wie Autorinnen, Technikerinnen, Psycholog*innen oder Kunstschaffende ergänzen Filmvorführungen um Einordnung und Gespräch.

Aktivieren

Sneaks und genrebezogene Preview-Formate

Sneaks können als wiederkehrendes Gemeinschaftsformat mit eigenem Profil etabliert werden.

Aktivieren

Besondere Snacks passend zum Film

Filmbezogene Gastronomie oder Merch-Elemente schaffen Gesprächsanlässe und Social-Media-Potenzial.

Aktivieren

Persönliche Ansprache durch Personal

Direkter Kontakt im Kino stärkt die Wahrnehmung des Hauses als sozialer Ort.

Weiterentwickeln

Gezieltere Programmierung nach dem Prinzip „weniger ist mehr“

Ausgewählte Filme erhalten mehr Bühne und mehr Profil.

Weiterentwickeln

Technik als Pullfaktor sichtbar machen

Technische Qualität wird verständlich und attraktiv kommuniziert.

Transformieren

Kino als dritter Ort

Das Kino wird bewusster als Aufenthaltsort und Treffpunkt jenseits der Vorführung positioniert.


2. Gemeinschaftserlebnis: Unbeschwertheit und wieder Kind sein


Hier standen Rituale, Nostalgie und spielerische Erlebnisse im Mittelpunkt. Genannt wurden unter anderem saisonale Eventformate wie Harry Potter in der Vorweihnachtszeit, Musik vor Werbung und Trailern, Kinder- und Familienformate, Kids Clubs, Einblicke hinter die Kulissen, wiederkehrende Deko-Elemente und mehr Barrierefreiheit.


Potenzial: Kino als Ort der unbeschwerten Alltagsfliuch, des Staunens und des spielerischen Regelbruchs stärken

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Saisonale Ritualformate wie Harry Potter in der Vorweihnachtszeit

Wiederkehrende Events mit Quiz, Kostümierung oder thematischer Inszenierung schaffen Vorfreude und Wiedererkennung.

Aktivieren

Musik im Saal vor Werbung und Trailern

Eine bewusst gestaltete Einstimmung kann die Atmosphäre emotional aufladen.

Aktivieren

Girls’ and Boys’ Day, Kindergeburtstage und Einblicke hinter die Kulissen

Kino wird als erlebbarer Ort mit Berufen, Technik und Geschichten vermittelt.

Aktivieren

Kinotickets bei Kindervorstellungen ausdrucken

Physische Tickets verstärken Erlebnischarakter und Erinnerung.

Weiterentwickeln

Veranstaltungsreihen mit Verleiher*innen, Buchhandel oder Musikläden

Thematische Kooperationen erweitern den Erlebnisrahmen.

Weiterentwickeln

Technische Weiterentwicklungen bei Ton und Vorhang

Kleine atmosphärische Verbesserungen können das Erlebnis deutlich aufwerten.

Weiterentwickeln

Kids Club aufbauen

Frühe Bindung an Kino und Film kann langfristig in eine stabile Beziehung zum Ort überführt werden.

Transformieren

Geschichte des Kinos und persönliche Publikumsgeschichten sichtbar machen

Erinnerung und Identifikation werden bewusst Teil des Erlebnisses.

Transformieren

Deko-Elemente wiederkehrend nutzen

Aufbewahrte Requisiten oder Gestaltungselemente schaffen Wiedererkennung über Jahre hinweg.

Transformieren

Kids Club perspektivisch in einen Jugendclub überführen

Aus einem Kinderformat kann ein langfristiger Entwicklungspfad entstehen.

Transformieren

Barrierefreiheit im Kino einführen bzw. ausbauen

Unbeschwerte Teilhabe setzt zugängliche Rahmenbedingungen voraus.


3. Sicherheit und Entlastung


Dieses Themenfeld drehte sich um Orientierung und Entscheidungssicherheit. Die Gruppen entwickelten Ideen wie kuratierte Empfehlungen, interaktive Sneak-Bewertungen, persönliche Altersempfehlungen, Triggerwarnungen, kundenbezogene Ansprache und eine stärkere Sichtbarkeit des Kinos im Stadtbild.


Potenzial: Orientierung geben, Entscheidungslast reduzieren und das risiko einer Fehlentscheidung minimieren

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Moodboards und kuratierte Filmempfehlungen

Formate nach dem Prinzip „Wenn dir dieser Film gefallen hat, empfehlen wir …“ erleichtern die Auswahl.

Aktivieren

Interaktive Sneak-Bewertungen

Physisches oder digitales Voting gibt Orientierung und verlängert die Kommunikation auf Social Media.

Aktivieren

Persönliche, begründete Altersempfehlungen

Zusätzliche Einordnung schafft Vertrauen, gerade bei Familien.

Weiterentwickeln

Triggerwarnungen als Teil der Kuration

Sensible Hinweise können Sicherheit und Ernstgenommenwerden fördern.

Transformieren

Kundenbindungsprogramme mit gezielter Ansprache nach Verhalten oder Interessen

Individuelle Hinweise machen Angebote relevanter.

Transformieren

Kino im Stadtbild sichtbarer machen statt nur Filme zu bewerben

Präsenz und Wiedererkennbarkeit stärken Orientierung und Vertrauen.


4. Immersion und Komfort


Hier wurde das Kino als Gegenpol zur digitalen Reizüberflutung gedacht. Im Fokus standen Welcome-Manager*innen, ein stärker als Aufenthaltsraum gestaltetes Foyer, kurze Vorprogramme, Musik im Foyer, eine reibungsarme digitale Customer Journey sowie Themen wie Bestuhlung, Recliner und Aufenthaltsqualität.


Potenzial: Fokussiertes Eintauchen und komfortables Abschalten als Gegenpol zu digitaler Reizüberflutung stärken

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Mitarbeitende als Welcome-Manager*innen

Der erste Kontakt wird bewusster als Teil des Kinoerlebnisses gestaltet.

Aktivieren

Foyer als Aufenthaltsraum stärken

Besucher*innen sollen vor dem Film zur Ruhe kommen und sich abgeholt fühlen.

Aktivieren

Kurzes Vorprogramm

Ein passender Auftakt kann das Eintauchen in den Abend unterstützen.

Aktivieren

Bewusste Musikauswahl im Foyer

Atmosphäre beginnt vor dem Saal.

Weiterentwickeln

Digitale Customer Journey nahtlos gestalten

Vom Ticketkauf bis zum Einlass soll der Prozess möglichst reibungsarm sein.

Weiterentwickeln

Kinoeinführung beim Schulkino

Kooperationen mit Schulen und Bibliotheken können Sicherheit und Vertrautheit schaffen.

Weiterentwickeln

PLF testen bzw. erweitern

Neue Angebots- oder Formatlogiken sollen Komfort und Relevanz erhöhen.

Transformieren

Kinobestuhlung und Recliner weiterdenken

Komfort und Aufenthaltsqualität werden materiell erfahrbar.

Transformieren

FSK 6 flexibler gestalten, angelehnt an FSK 12-Regelungen

Eine differenziertere Alterslogik könnte Zugang erleichtern.


5. Anerkennung und besonderer Anspruch: FOMO / Status


In diesem Bereich ging es um Begehrlichkeit, Exklusivität und soziale Sichtbarkeit. Die gesammelten Maßnahmen reichten von Ticketcountern auf der Website über Fotospots, Wettbewerbe zu Filmstarts und Kinotouren bis zu Meet & Greets und lokal ausgesteuertem Marketing.


Potenzial: Erlebnisse schaffen, die man nicht nur erlebt, sonder auch teilen und zeigen möchte

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Ticketcounter auf der Website

Sichtbare Verknappung kann Begehrlichkeit und schnellere Buchung auslösen.

Aktivieren

Kinotouren mit Social-Media-Bewerbung

Das Kino selbst wird als Erlebnis und Motiv inszeniert.

Aktivieren

Fotoboards oder Fotoorte im Kino

Besucher*innen erhalten Anlässe, ihre Teilnahme sichtbar zu machen.

Aktivieren

Quiz vor oder nach dem Film

Beteiligung kann das Eventgefühl verstärken.

Aktivieren

Wettbewerbe und Verkleidungsaktionen zu Filmstarts

Beteiligung wird zum Teil des Kinoerlebnisses.

Weiterentwickeln

Autor*innen bei Buchverfilmungen einladen

Exklusive Begegnungen erhöhen die Attraktivität auch außerhalb urbaner Zentren.

Weiterentwickeln

Meet & Greets mit Talents

Persönliche Nähe zu Filmschaffenden schafft Aufwertung und Besonderheit.

Weiterentwickeln

Lokales, zielgerichtetes Marketing

Kooperationen mit Interessenverbänden und lokalen Partner*innen verbessern die Zielgruppenansprache.

Weiterentwickeln

Fotospots im Foyer zur Verlängerung der Aufenthaltsdauer

Sichtbarkeit und Aufenthaltsqualität greifen ineinander.

Transformieren

Verteiler und anlassbezogene Kommunikationswege aufbauen

Relevante Zielgruppen können wiederholt gezielt angesprochen werden.


6. Anerkennung und besonderer Anspruch: Intellektuelle Selbstwirksamkeit


Dieses Themenfeld betrachtete Kino als Ort von Einordnung, Kontext und kultureller Teilhabe. Die Gruppen nannten unter anderem Vorpremieren, Anmoderationen von Filmen, Newsletter mit persönlichem Bezug, Filmclubs und die Nutzung externer Kultur- und Freizeitportale, um neue Zielgruppen zu erreichen.


Potenzial: Anspruchsvolle Kuration sichtbar machen und Kino als Ort für Tiefe, Einordnung und Austausch positionieren

Ebene

Titel der Maßnahme

Beschreibung

Aktivieren

Portale außerhalb der Kinowelt nutzen

Über externe Kultur- und Freizeitportale können auch Nicht-Kinogänger*innen erreicht werden.

Weiterentwickeln

Vorpremieren anbieten

Exklusivität und frühe Teilhabe stärken die Wertschätzung des Kinobesuchs.

Weiterentwickeln

Filme anmoderieren

Kontext und persönliche Einordnung machen die menschliche Komponente des Kinos sichtbar.

Weiterentwickeln

Newsletter mit persönlichem Bezug aufbauen

Direkte Kommunikation kann Orientierung und Bindung fördern.

Transformieren

Filmclubs gründen

Interessierte Zielgruppen erhalten einen verbindlicheren Rahmen für Austausch und Wiederkehr.

Transformieren

Multiplex-Kinos stärker wie Arthouse-Kinos denken

Kuratorische Elemente und zielgerichtete Ansprache können breiter eingesetzt werden.



Was aus den Ergebnissen besonders sichtbar wird

Die Ergebnisse des Workshops zeigen, wie Kino heute als sozialer Ort, Erlebnisort und kultureller Treffpunktweitergedacht werden kann. Über alle sechs Themenfelder hinweg wurde deutlich, welche Maßnahmen für Kino, Kinomarketing und Publikumsbindung besonders relevant sind:


  • Kino ist mehr als ein Aufführungsort: In allen sechs Themenfeldern wurde Kino als sozialer, kuratierter und emotionaler Ort verstanden.

  • Persönliche Ansprache wird wichtiger: Viele Maßnahmen setzen auf Nähe und Orientierung – etwa durch Personal, Moderation, Empfehlungen oder Community-Formate.

  • Kooperationen sind ein zentraler Hebel: Wiederholt genannt wurden Partnerschaften mit Verleiherinnen, Buchhandel, Schulen, kulturellen Partnerinnen und lokalen Netzwerken.

  • Rituale und wiederkehrende Formate schaffen Bindung: Sie erhöhen Erwartbarkeit, Wiedererkennbarkeit und Identifikation mit dem Kino.

  • Ressourcen bleiben die größte Hürde: Viele Ideen sind praxisnah, brauchen aber Zeit, Personal und finanzielle Spielräume.

  • Besonders stark sind Maßnahmen mit Mehrfachwirkung: Am wirksamsten erscheinen Ansätze, die Erlebnis, Orientierung und Sichtbarkeit zugleich stärken und damit die Wahrnehmung des Kinobesuchs nachhaltig verändern.


Auffällig ist außerdem: Viele der im Workshop entwickelten Ideen zielen auf ähnliche Hebel ein – persönliche Ansprache, Orientierung, Ritualisierung, Aufenthaltsqualität, Beteiligung und lokale Kooperationen. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie machen Kino nicht nur sichtbarer, sondern konkreter erlebbar.


Ausblick

Die in „Audience to Action“ erarbeiteten Maßnahmen sind ein belastbarer Einstieg in die nächste Arbeitsphase. Wir wollen ein Online-FollowUp machen und die BreakOuts Sessions weiter vertiefen. Bist du dabei? Dann meld dich jetzt an!




Kommentare


bottom of page