Recap: KinoConnect Innovation Lab @Berlinale Screenings 2026
- vor 11 Stunden
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Die Berlinale ist jedes Jahr ein Ort intensiver Begegnungen – und auch beim KinoConnect Innovation Lab 2026 zeigte sich, wie groß das Interesse an der gemeinsamen Gestaltung der Zukunft des Kinos ist. Der Raum hinter den Hackeschen Höfen war gut gefüllt, viele suchten das direkte Gespräch, und von Beginn an wurde deutlich, dass im Mittelpunkt nicht der Rückblick steht, sondern die Frage, wie sich die Branche auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen kann.
Denn was sich gerade in der globalen Film‑ und Kinolandschaft verschiebt, hat das Potenzial, das Ökosystem neu zu ordnen. Die Frage war also nicht: „Was passiert?“
Sondern: „Was machen wir jetzt daraus?“

Globale Entwicklungen: Der Wandel kommt nicht – er ist schon da
Im internationalen Trends‑Panel mit Patrick von Sychowski, Jackie Brenneman, Christian Bräuer und Jan Runge prallten Einschätzungen aufeinander, die deutlicher kaum hätten sein können. Die mögliche Übernahme von Warner Bros. wurde nicht romantisiert: Es ist ein Umbruch, der an den Verlust von Fox erinnert – ein weiterer Pfeiler, der wegbricht.Und doch: Genau in dieser Lücke entsteht Bewegung.
Während Premium‑Modelle weltweit wachsen, zeigte die Diskussion auch eine zweite Realität: Die Mitte des Marktes – die regelmäßigen Kinobesuche – steht unter Druck. Aber junge Zielgruppen finden gerade unter anderem über kuratierte Repertoire‑Filme zurück ins Kino. Ein scheinbarer Widerspruch, der viel über den Zustand der Branche verrät: Wer Orientierung liefert, wird gebraucht.
Christian Bräuer brachte es auf den Punkt: In einer Welt, in der Algorithmen Inhalte ausspucken und alte Entdeckungskanäle verschwinden, steigen Bedeutung und Verantwortung guter Kuration. Arthouse wird zum Gegenmodell. Und die Reaktion des Publikums zeigt, wie viel Potenzial darin steckt.
KI: Risiko, Werkzeug – und vor allem eine Frage der Haltung
Es war Patrick von Sychowski, der das Thema KI mit einer Wucht in den Raum brachte, die hängen blieb. Seine Metapher von der Titanic – ein Saal, der über das Menü diskutiert, während der Eisberg näher kommt – machte klar: Der Umbruch wird größer, als vielen bewusst ist.
Doch statt in Alarmismus zu kippen, nahm die Diskussion eine interessante Wendung.Es ging darum, wie KI Sichtbarkeit, Programmierung und Arbeitsabläufe verbessern kann. Nicht als Ersatz menschlicher Expertise, sondern als Fundament für bessere Entscheidungen. Genau deshalb beginnen erste Kinogruppen bereits damit, interne Weiterbildungen aufzubauen – ein wichtiger Schritt, um handlungsfähig zu bleiben. Die Diskussion endete schließlich auch mit einem klaren Ruf nach mehr Weiterbildung in der Branche – sowohl aus dem Publikum als auch von den Panelteilnehmenden selbst.

Ein Blick von außen: Was Kino jetzt wirklich lernen kann
Im Fireside Talk mit David Larkin, Carsten Horn und Thilo Pickartz zeigte sich, wie wertvoll Perspektiven jenseits der eigenen Branche sind.
David Larkin war derjenige, der die vielleicht radikalste Frage stellte:
Wie lange können wir noch so arbeiten wie bisher?
Sein größter Vorwurf lautete, dass Kino am Ende des Films zu früh loslässt. Junge Menschen wollen teilen, dokumentieren, interagieren. Ein Erlebnis endet nicht mit dem Abspann – es beginnt dort. Wenn Kinos diesen Moment nicht gestalten, überlassen sie ihn Plattformen, die in genau dieser Logik denken.
Carsten Horn brachte die praktische Ergänzung: Während Retail täglich an Conversion, CRM und Erlebnisdesign arbeitet, wartet das Kino oft auf bessere Filme. Doch Wettbewerbsvorteile entstehen nicht durch bessere Produkte, sondern durch bessere Prozesse.Oder anders gesagt: Kino ist ein Erlebnisraum – kein Zulieferer der Contentindustrie.
Unabhängige Filmkultur: Ein unerwartetes Momentum
Jackie Brenneman brachte eine der hoffnungsvollsten Perspektiven ein:Mit dem Ende der VPFs und geringeren Distributionskosten ist der Moment für unabhängige Inhalte günstiger denn je. Kleine Filme brauchen kein Millionenpublikum, um zu funktionieren – oft reicht eine klare Zielgruppe und smartes Marketing.
Wenn der Mainstream sich weiter konzentriert, müssen Indies keinen Platz erkämpfen. Sie bekommen ihn automatisch – wenn sie bereit sind, ihn zu nutzen.
Was bleibt hängen: Drei Impulse für die Branche
1. Kino muss zum sozialen Raum werden – bewusst und gestaltet.
Nicht nur ansehen. Erleben, teilen, diskutieren. Physisch und digital.
2. KI ist kein Bedrohungsszenario, sondern Infrastruktur.
Je besser Teams vorbereitet sind, desto stärker bleibt das Kino selbst.
3. Das Momentum liegt im Independent‑Sektor.
Flexible Preise, klare Haltung, mutige Kuration – das spricht neue Zielgruppen an.
DeepDive in der Nachlese
Folgende Artikel bieten einen noch tieferen Einblick in die Diskussionen des Innovation Labs:
Marc Mensch - KinoConnect: Vom Rückzugsgefecht in in die Offensive Patrick von Sychowski - Berlin 2026: Is the Studio Era Finally Over?
Was wir als KinoConnect mitnehmen
Das Innovation Lab hat gezeigt, wie wichtig Räume für gemeinsames Denken sind. Keine Frontalpanels, sondern Austausch, Reibung, Lernen, Weiterentwicklung. Genau das ist der Kerngedanke von KinoConnect - ein offener Raum für kreative Kino-Ideen. Das erwartet uns in KinoConnect 2026 Innovation:
👉 Die neue E‑Academy startet. 👉 Das Mentoring‑Programm läuft an. 👉 Weitere Labs folgen – größer, tiefer, mutiger.
Wir laden alle ein, die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Denn das Kino verändert sich nicht von allein – es verändert sich, wenn wir es tun.






















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