KinoConnect Innovation Lab @CineHamburg 2026: Beyond the Screen – das Kinoerlebnis vor und nach dem Film neu denken
- 10. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Wie entsteht Aufenthaltsqualität im Kino – räumlich, atmosphärisch und im Service? Und wie können Kinos zu Orten werden, an denen Menschen nicht nur Filme sehen, sondern sich gerne aufhalten, begegnen und wiederkommen?
Mit diesen Fragen haben wir uns beim KinoConnect Innovation Lab @CineHamburg 2026 beschäftigt. Unter dem Titel „Beyond the Screen – das Kinoerlebnis vor und nach dem Film neu denken“ wollten wir einen offenen Raum für kreative Kinoideen schaffen und unterschiedliche Perspektiven aus Architektur, Kinopraxis, Datenanalyse und Hospitality miteinander ins Gespräch bringen.
Schon zu Beginn wurde deutlich: Das Kino der Zukunft ist mehr als eine Abspielstätte. In Zeiten von digitalem Überfluss und wachsender Freizeitkonkurrenz gewinnt die Frage an Bedeutung, wie das gesamte Erlebnis rund um den Filmbesuch gestaltet ist – also gerade auch die Zeit vor und nach dem Film.

Zwischen Offenheit, Rückzug und Atmosphäre
Einen wichtigen Impuls gab Hendrik Wirths vom Architekturbüro Chapman Taylor, das unter anderem das Interior Design des Kinopolis HafenCity verantwortet hat und weltweit Kinos aber auch Einkaufszentren und Orte mit hohem Besucheraufkommen entwickelt. Im Fokus standen architektonische Fragen rund um die Bedürfnisse von Besucher*innen: Welche Räume brauchen Kinos heute? Wie können Orte entstehen, an denen man sich gerne aufhält? Und wie lässt sich ein Gleichgewicht aus Offenheit, Orientierung und Rückzug schaffen?
Diskutiert wurden unter anderem kleine, geschützte Nischen für Gruppen, Aufenthaltsbereiche mit hoher Qualität sowie die Frage, wie sich soziale Interaktion und ein Gefühl von Privatheit miteinander verbinden lassen. Deutlich wurde dabei, dass Aufenthaltsqualität nicht zufällig entsteht, sondern geplant, gestaltet und konsequent aus den Erwartungen der Gäste heraus gedacht werden muss.
Was Daten über die Erwartungen der Gäste verraten
Ergänzt wurde diese Perspektive durch Till Cussmann von der Vista Group, der Impulse aus Audience Insights, Daten und Trendanalysen eingebracht hat. Sein Beitrag zeigte, wie sich aus Daten ableiten lässt, welche Bedürfnisse Gäste an Aufenthaltsqualität haben – und wie Kinos diese Erkenntnisse nutzen können, um fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Dabei ging es sowohl um große Fragen von Neubau und Modernisierung als auch um kleinere, pragmatische Maßnahmen, die sich im operativen Alltag direkt umsetzen lassen. Gerade diese Verbindung aus strategischer Perspektive und konkreter Praxis war für die Diskussion besonders wertvoll.

Wie Kinos Aufenthaltsqualität bereits heute gestalten
Wie unterschiedlich diese Ansätze in der Realität aussehen können, zeigten mehrere Praxisbeispiele aus dem Kinobetrieb.
Ingo Kraft aus der Filmpalastgruppe sprach über den Filmpalast Kassel und über kleinere historische Häuser der Gruppe, die modernisiert wurden. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Anforderungen je nach Haus, Zielgruppe und Bestand ausfallen – und wie wichtig es ist, Aufenthaltsqualität nicht nur in großen Neubauprojekten, sondern auch im Bestand mitzudenken.
Ergänzt wurde die Runde durch Steffen Presse vom Lumos Lichtspiel & Lounge in Nidda, mit dem wir der Frage nachgingen , was man bei der Planung heute – mit dem Wissen von heute – vielleicht anders machen würde als noch vor 15 Jahren. Gerade dieser Blick zurück war spannend, weil er sichtbar gemacht hat, wie stark sich die Erwartungen von Besucher*innen verändert haben und welche Best-Practice-Beispiele auch mit wenigen Mitteln möglich und wichtig sind.

Warum Atmosphäre nicht an der Wand aufhört
Florian Mäteling vom Gloria Filmpalast München warf den Blick auf die zwischenmenschliche Ebene: Aufenthaltsqualität entsteht nicht nur durch Raum, Materialität und Design. Sie entsteht ebenso durch Service, Hospitality und Atmosphäre. Gerade dort, wo bauliche Möglichkeiten begrenzt sind, können zwischenmenschliche Qualität, Orientierung, Ansprache und die Nutzung vorhandener Flächen einen großen Unterschied machen.
Im Kern ging es also um die Frage, wie das Foyer künftig stärker als Erlebnisraum gedacht werden kann – und nicht nur als Durchgangsraum zum Kinosaal. Ein Foyer kann ein Ort sein, an dem man gerne ankommt, sich aufhält, genießt, sozial interagiert und wiederkommt. Dazu gehören gestalterische Qualität, klare Zonierungen, übersichtliche Orientierung sowie gemütliche Bereiche, identitätsstiftende Details und durchaus auch visuelle Elemente oder Insta-Spots, die Atmosphäre schaffen und den Ort erlebbar machen.
Zwischen langfristiger Vision und pragmatischer Umsetzung
Unser zentrales Fazit aus dem Innovation Lab: Aufenthaltsqualität vor und nach dem Film ist ein dickes Brett, um das wir uns kümmern sollten. Denn die Bedürfnisse unserer Gäste sind heute andere als noch vor einigen Jahren. Das betrifft einerseits große Investitionen wie Neubauten, Modernisierung und räumliche Neugestaltung. Andererseits wurde genauso deutlich, dass sich auch im operativen Alltag bereits viele Fragen stellen, die heute schon relevant und in Teilen einfach umsetzbar sind. Genau in dieser Verbindung aus langfristiger Perspektive und kurzfristiger Handlungsfähigkeit lag eine ganze Bandbreite an Handlungsfeldern.
Viele Perspektiven, starke Diskussion
Die Stunde war schnell vorbei, der Input groß und die Diskussion umso wertvoller. Wir danken Impulsgeber*innen und Teilnehmer*innen herzlich für den regen Austausch, die klugen Rückfragen und die vielen Perspektiven, die in die Session eingebracht wurden.
Ein besonderer Dank gilt dem HDF Kino und AllScreens, dass wir im Rahmen der CineHamburg 2026 dabei sein durften. Unser Dank gilt ebenso der FFA für die Förderung sowie die begleitende Unterstützung der Veranstaltungsreihe und des Projekts insgesamt.




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